von Bernhard Richter

Erzählt man im Bekanntenkreis, dass man einen Nordic-Walking-Kurs besucht, wird man zumeist ein wenig mitleidig angeschaut. Für viele gilt das „Steckerl-Gehen“ als eine etwas merkwürdige Art des Spazierengehens. Man sieht es seinem Gegenüber an, dass ihm grad der blöde Spruch eingefallen ist: „Na, hast du auch deine Skier vergessen?“

Zugegeben, bevor ich mich selbst vor einem guten Jahr zu einem Kurs bei der Gabi angemeldet habe, konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, wozu das Ganze denn gut sein sollte. Den Anstoß gab meine Frau: Sie hat sich für diese Sportart interessiert. Und da es mir wichtig war, etwas gemeinsam zu unternehmen, ging ich halt mit. Ganz unvorbelastet war ich ja auch nicht – das muss ich schon erwähnen. Arbeite ich doch bei einer Krankenkasse und weiß deshalb, dass die Kassen Nordic Walken neben vielen anderen Bewegungs- oder Entspannungsangeboten fördern, weil es gut ist für die Gesundheit sein soll und Krankheiten vorbeugt …

Nach der ersten Nordic-Walking-Stunde im Englischen Garten war mir dann klar: Nordic Walken ist wirklich etwas ganz anderes als „Gehen mit Stöckern“. Auch wenn man oftmals auf Autodidakten trifft, die wirklich nur mit ihren Stöckern spazieren gehen (keine Häme, wenigstens sind sie an der frischen Luft!), es ist schon sehr sinnvoll, sich eine Technik anzueignen. Bei der Gabi habe ich die „ALFA“-Technik (Aufrechter Gang, Langer Arm, Flacher Stockeinsatz und Angepasste Gangart) gelernt – und das hat sich wirklich gelohnt! Durch meine überwiegend sitzende Tätigkeit im Beruf waren meine Schulterblätter völlig eingerostet und zusammengepappt. Man könnte auch sagen: Ich wusste gar nicht, dass ich so etwas wie Schulterblätter überhaupt hatte! Schon nach einem Jahr hat sich der Bewegungsradius meiner Arme sichtbar vergrößert!

Es ist faszinierend, wieviele Muskeln man hat und trainieren und spüren kann. Es ist ein echtes Erfolgserlebnis, wenn es gelingt, scheinbar völlig simple Koordinierungsübungen zwischen linkem Arm und rechtem Bein dann nach längerem Üben plötzlich machen zu können. Gerade für Männer ist das Koordinieren der Hirnhälften anscheinend eine echte Schwierigkeit – und wenn dann auch noch das Denken dauernd in die Quere kommt, dann geht gar nichts mehr!

Wie gesagt, ich gehe jetzt schon über ein Jahr. Mein Ziel ist, wenigstens einmal die Woche zu walken. Und weil alleine gehen öde ist und es immer wieder etwas Neues gibt, was man bei der Gabi lernen kann – Atmung, Dehnungsübungen, Entspannung, Intervalltraining … – deshalb gehe ich immer wieder gerne in ihrer Gruppe mit. Leider ist meine Frau mittlerweile beruflich verhindert – aber mir macht es so viel Spaß und Freude, und tut mir spürbar gut, weil man ins Schwitzen kommt, ohne die Gelenke zu sehr zu strapazieren, dass ich dabei geblieben bin. Und von mir aus kann das auch gerne noch ein Weilchen so bleiben!“

Bernhard Richter